Chinesische Experten gehen davon aus, dass die 6G-Technologie etwa im Jahr 2030 versuchsweise kommerziell eingesetzt wird. Bis 2035 wird mit einer breiten Akzeptanz bei den Verbrauchern gerechnet, wie auf der Jahreskonferenz des Zhongguancun-Forums 2026 erklärt wurde.
Diese strategische Roadmap markiert einen Wandel in der Mobilkommunikation, da 6G als KI-natives Netzwerk konzipiert ist und sich von früheren Generationen unterscheidet, die sich hauptsächlich auf Geschwindigkeit konzentrierten. In China wurde die erste Phase der Technologieversuche abgeschlossen, in der über 300 Technologien validiert wurden. Die nächste Phase ist für 2026 bis 2028 geplant und konzentriert sich auf die Integration in reale Geräte.
Zhang Ping, Professor an der Universität für Post und Telekommunikation in Peking, betonte die Bedeutung der bevorstehenden Phase und erklärte: „Wenn es in der ersten Phase darum ging, ‚Entwürfe zu zeichnen und Materialien zu sammeln‘, geht es in dieser zweiten Phase darum, ‚das Rahmenwerk aufzubauen und den Prototyp zu erstellen‘.“ China hält derzeit etwa 40 Prozent der weltweiten 6G-Patentanmeldungen. Allerdings erwähnte Zhang Schwachstellen in Kernkomponenten und grundlegender Software.
6G zeichnet sich durch die Einbettung künstlicher Intelligenz auf jeder Netzwerkebene aus, im Gegensatz zu 5G, das solche Fähigkeiten erst nach der Bereitstellung hinzufügte. Diese neue Netzwerkstruktur sieht eine integrierte Abdeckung durch ein Weltraum-Luft-Boden-See-System vor, das sich über eine Satelliteninfrastruktur auf entlegene Gebiete und Ozeane erstreckt.
Jüngste Präsentationen von Ericsson und Qualcomm auf dem Mobile World Congress zeigten ähnliche KI-native Ansätze für die 6G-Architektur, wobei beide Unternehmen Prototypen vorstellten, die über integrierte KI-Rechenleistung in allen Netzwerkeinheiten verfügen.
Während der Fortschritt voranschreitet, bleiben Herausforderungen bestehen. Der Wettbewerb um globale Standards nimmt zu, wobei Indien 10 Prozent der 6G-Patente anstrebt und Südkorea die Technologieführerschaft anstrebt. Darüber hinaus sind die Lieferketten für Kernkomponenten noch unterentwickelt und der Aufbau eines 6G-Netzwerks dürfte teurer sein als der von 5G. Miao Wei, Senior Vice President von ZTE, bemerkte, dass 6G „einen Sprung von der einfachen Verbindung zur allgegenwärtigen Sensorik und intelligenten Diensten“ bedeutet, und bekräftigte den Bedarf an interdisziplinären Talenten in verschiedenen Bereichen.




