Telegram hat beim Bundesgericht eine Klage gegen den australischen eSafety-Beauftragten eingereicht und den Online Safety Act 2021 nach einer Geldstrafe von 957.780 AUD angefochten. Die Messaging-Plattform bestreitet ihre Einstufung als „Anbieter von Social-Media-Diensten“ nach australischem Recht und behauptet, sie unterliege nicht den Weisungen des Kommissars. Telegram behauptet, die erste Mitteilung bezüglich schädlicher Inhalte sei an eine falsche Adresse gesendet worden und gibt an, freiwillig Informationen bereitgestellt zu haben, sobald man von der Anfrage Kenntnis erlangt habe. Diese rechtliche Maßnahme fällt mit den bevorstehenden australischen Regeln zur Altersüberprüfung zusammen. Ab dem 10. Dezember 2025 müssen Plattformen wie Reddit, Kick, Facebook und TikTok Nutzern unter 16 Jahren den Zugriff auf ihre Dienste verweigern oder mit Geldstrafen von bis zu 50 Millionen A$ rechnen. Befürworter des Datenschutzes äußern Bedenken, dass dieses Mandat die Erfassung sensibler biometrischer Daten oder Ausweisdokumente erforderlich machen könnte, was möglicherweise eine Gefährdung der Benutzerdaten zur Folge hätte. Ähnliche Debatten finden weltweit statt. Im Vereinigten Königreich führte die Umsetzung des Online Safety Act zu einem 1.400-prozentigen Anstieg der VPN-Dienstanmeldungen eines Anbieters, da Benutzer versuchten, Altersgrenzen zu umgehen und ihre Privatsphäre zu wahren. Ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) kann den geografischen Standort eines Benutzers maskieren und so den Zugriff auf geografisch eingeschränkte Inhalte erleichtern. Der Fall stellt einen anhaltenden Konflikt zwischen Regulierungsbehörden und Plattformen dar, die dem Datenschutz Priorität einräumen. Kritiker argumentieren, dass Gesetze wie das australische Online Safety Act den Regierungsbehörden übermäßige Befugnisse einräumen, „schädliche“ Inhalte zu definieren, wodurch möglicherweise rechtmäßige Meinungsäußerung unterdrückt wird. Der Ausgang der Klage von Telegram wird Auswirkungen auf die weltweite Debatte über Online-Regulierung haben, indem er entweder die staatliche Kontrolle über digitale Plattformen stärkt oder die Beschränkungen der gerichtlichen Aufsicht verschärft.





